Bildungskleeblatt sprengt solides Fundament


2006 hat das Schweizervolk den Bildungsartikel mit grossem Mehr angenommen. Dieser verlangt u.a. die Harmonisierung der Volksschulen. Mit der Schulreform «Bildungskleeblatt» sollte die notwendigen Schritte eingeleitet werden. Die Stiftung hat im Verlauf der Ausarbeitung des Bildungskleeblattes bis zur Volksabstimmung vom 17. Mai 2009 mehrmals gegen die Reform Stellung bezogen.

Nach Annahme des Bildungsartikels begrüsste die Aargauische Stiftung für Freiheit und Verantwortung in Politik und Wirtschaft die interkantonale Harmonisierung der Volksschule bzgl. Inhalt und Struktur. Hingegen preschte das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau mit seinem Bildungskleeblatt vor und schoss dabei in vielen Bereichen weit übers Ziel hinaus, anstatt das Ergebnis der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) abzuwarten. Schon früh prophezeite die Stiftung, dass der Bildungskleeblatt-Vorschlag des BKS neue Gräben zwischen dem Aargau und seinen umliegenden Kantonen geschaffen hätte.

Die Stiftung begrüsst insbesondere eine Lehrplan-Vereinheitlichung der Volksschule unter den Kantonen. Damit wird dem Anliegen besserer Mobilität Rechnung getragen. Sie begrüsst insbesondere eine Lehrplan-Vereinheitlichung der Volksschule unter den Kantonen.

Die vier Gesetzesvorlagen und die Verfassungsänderung zum «Bildungskleeblatt»  lehnte die Stiftung jedoch ab (Frühere Einschulung, Harmonisierung der Schulstrukturen/eine durchlässige Oberstufe ohne Realschule und mit einem Elitegymnasium, Einführung flächendeckender Tagesstrukturen und Lektionenzuteilung mit Sozialindex). Die Reformen sollten nach einer Volksabstimmung 2009 bereits im Jahr 2010 in einem Schritt umgesetzt werden. Es wäre sehr zweifelhaft gewesen, dass die dazu notwendigen Ressourcen rechtzeitig bereitgestanden wären. Die Änderungen in der vorgeschlagenen Form verlangten – insbesondere auf der Eingangsstufe – eine völlig neue, sachlich und organisatorisch anspruchsvolle Stoffvermittlung durch die Lehrkräfte. Angesichts der kurzen Umsetzungszeit bezweifelte die Stiftung, dass der Unterricht so schnell angepasst werden kann und die notwendigen materiellen und personellen Ressourcen zu beschaffen sind. Die Änderungen hätten in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht durchgepaukt werden können, was zu Rissen im qualitativ hochstehenden Bildungswesen des Kantons geführt hätte.

Die überladene Vorlage Bildungskleeblatt war dringend um gewisse Punkte wie das Vorhaben «Integrative Schulungsform» (ISF) zu erleichtern. Den finanziellen und pädagogischen Mehrbedarf lehnte die Stiftung ab, deren genauen Umfang das Bildungsdepartement nie ausgewiesen hat. Zudem hätte die Annahme des Bildungskleeblattes wiederum dazu geführt, dass der Kanton Aargau aufs Neue über eine unkoordinierte Individuallösung verfügt.

Über die vier Kleeblätter wurde einzeln abgestimmt. Die Stiftung erachtete dieses Vorgehen als wenig sinnvoll. Schliesslich war wegen des inneren sachlichen und finanziellen Zusammenhangs der einzelnen Gesetzesvorlagen nicht klar, wie sich die Ablehnung einzelner Kleeblätter für die übrigen auswirken würde.

Priorität muss die notwendige interkantonale inhaltliche Harmonisierung aufgrund des eidgenössischen Bildungsartikels haben. Allfällig zusätzliche Reformen haben ausgewogen in verkraftbaren Schritten zu erfolgen und müssen zudem die Leistungsbereitschaft/-fähigkeit sowie das Bildungsniveau erhöhen.

Nach Ablehnung der Kleeblätter am 17. Mai 2009 durch das Stimmvolk sind nun Aargauische Reformen der Schulstrukturen und des pädagogischen Ansatzes mit der Harmonisierung auf eidgenössischer Ebene und mit den umliegenden Kantonen abzustimmen.

Medienmitteilung vom 09. April 2009 – Aargauische Stiftung für Freiheit und Verantwortung in Politik und Wirtschaft lehnt Bildungskleeblatt ab

Medienmitteilung vom 22. August 2008 – Bildungskleeblatt – Neubeurteilung ist Gebot der Stunde

Medienmitteilung vom 29. August 2007 – Das Bildungskleeblatt – nach wie vor kritisch

Medienmitteilung vom 15. März 2007 – Das Bildungskleeblatt – In dieser Form zum Scheitern verurteilt